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Aus Margaret Raspé’s Brief an die Kinder der Schule in Amerang

fertige Bündelskulptur "Mooswächter", Sommer 2004

„Zu aller erst möchte ich mich bei Euch bedanken für Euere fleißige Arbeit an den Bündeln im Schulprojekt, ohne die ich die Skulptur nicht hätte machen können.

Es ist ein unregelmäßiger Kegel geworden. Ziemlich hoch, damit er auch von Ferne als Zeichen gesehen werden kann. Wir haben alle Bündel, die Ihr auf den Platz gebracht habt, gebraucht. Innen im Kegel sind Wurzeln, um ihn zu befestigen, den hohen Aufbau möglich zu machen. Zusammen gebunden wird die Skulptur mit Hanfschnur.

Über hauptsächliche Windrichtungen und Wetterseiten habe ich nachgedacht und danach gefragt, weil ein Sturm den Kegel von einer Seite sehr drücken und verrücken könnte. Jetzt ist er so befestigt, dass das hoffentlich nicht passieren kann.

Mit der Zeit werden sich auf der Wetterseite Flechten und Moose ansiedeln, die Ihr sicher von Bäumen kennt.

Es wird noch wilder Wein um die Skulptur gepflanzt. Im Frühjahr und Sommer wird er mit seinen grünen Blättern daran heraufranken, die sich im Herbst in leuchtendes Rot

verfärben, so dass in zwei Jahren die Skulptur, mit ihrem roten Mantel, sich im Herbst deutlich vom Grün der Wiesen abhebt. Und irgendwann, nach vielen Jahren, werden die Hölzer verrotten, die Skulptur wird kleiner werden und dann wieder vergangen sein. Deshalb ist es eine temporäre Skulptur.

Ich bin am Bodensee, mitten in einer schönen Landschaft aufgewachsen. Schon als Kind habe ich die Arbeit der Bauern kennen gelernt, wir mussten als Kinder oft dabei helfen. Auch seit damals kenne ich viele Pflanzen und Tiere, kenne die Formen des Holzaufschichtens, der Heuheinzen und die großen, um eine Stange geschichteten Haufen des Streuwiesen-Heus, das als Einstreu in die Kuhställe kam. Über alle diese, aus einer praktischen Erfahrung entstandenen Formen, habe ich nachgedacht, als ich nun den Kegel aus Bündeln gemacht habe.

Vielleicht habt ihr Zeit zu schauen, was für Tiere darin Unterschlupf finden. Käfer, Spinnen und andere Insekten, Ameisen, die Ihre Eier in die Sonne legen. Vielleicht nisten dort sogar Vögel, Zaunkönige, wenn es ruhig genug ist. Heute habe ich mich morgens über einen seltenen, kleinen grüngoldenen Käfer gefreut und in den unteren Hölzern haben früh morgens Ameisen ihre Eier in die Wärme getragen....

Mein Dank an das Ehepaar Fürstenberger und den Klassen 3a und 4a der Ameranger Schule.

Landschaftsplaner Herrn Oberbauer, der die Kletterpflanzen gestiftet und gepflanzt hat.“

 

Margaret Raspé