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Konzept:   „Aus dem Vollen schöpfen

Während früher die ländlichen Regionen vor allem von der Landwirtschaft geprägt waren, hat sich unser Lebensumfeld mit der zunehmenden Industrialisierung grundlegend gewandelt. Da ich im ländlichen Raum aufgewachsen bin, konnte ich diesen Wandel vom Agrarstaat zur Industrie und Export Nation und die daraus resultierenden Veränderungen sowohl in der Umwelt als auch in den sozialen Gesellschaftsstrukturen hautnah miterleben.

 

Die früher vom Staat geförderten Maßnahmen zur Optimierung der Landwirtschaft wie zum Beispiel Flurbereinigung, Monokultur, Kunstdünger-Ausbringung, Masttierhaltung usw. hatten unerwartete Folgen für unseren Lebensraum und stellten uns vor immer neue Probleme. So mussten wir erkennen, daß die natürlichen Abläufe aus einer Balance von langfristig gewachsenen Strukturen bestehen, deren Zusammenhänge wir in einem andauernden intensiven Lern- und Forschungsprozess zu ergründen versuchen.

 

Mit dem direkten Eingriff und der Veränderung von Erbmaterial haben wir ein neues Kapitel im Umgang mit der Natur aufgeschlagen. Ob die neue biotechnische Forschung eine große Chance oder ein unkalkulierbares Risiko für unsere Zukunft beinhaltet, wird sich zeigen. Auch die Globalisierung machte nicht halt vor dem ländlichen Raum, Mobilität, Vernetzung, Gewinnoptimierung, eine multikulturelle Gesellschaft zwingen uns zu immer neuen Strategien zur Lebens- und Überlebenssicherung. Viele landwirtschaftliche Betriebe sind dem gesellschaftlichen Wandel bereits zum Opfer gefallen und mussten sich nach neuen Betätigungsfeldern umsehen. So gibt es schon heute einige Bauerndörfer, in denen keine einzige Kuh mehr steht. Der Bauernhof wird zum Urlaubsparadies und seine Umgebung zum Freizeitland. Als Folge werden unsere Kinder einen völlig anderen Zugang zur Natur erleben als wir ihn hatten. Trotz allen Neuerungen ist und bleibt die Pflege und der Erhalt unseres natürlichen Lebensraums unsere wichtigste Option für die Zukunft.

 

Meine Skulptur „Aus dem Vollen schöpfen“ ist Symbol und Mahnmal, die Natur als Lebensgrundlage zu begreifen und die Menschheit als Teil dieser Natur zum sinnvollen Umgang mit ihr anzuhalten.

Zwei Löffel greifen in die Erde, als wenn jemand eine Suppe auslöffelt, bis der Teller leer ist. Die gepflanzten Bäume sind Lebenssymbol und Metapher für Nahrung. So sollten Obstbäume gepflanzt werden, die von den Besuchern auch abgeerntet werden können.

 

Mit den Jahren wird sich das Verhältnis von den Bäumen und dem verbindenden Metalllöffel verändern. Während die Bäume wachsen, ändern die Löffel lediglich ihre Oberflächenbeschaffenheit durch Umwelteinflüsse. Auch mit dem Wechsel der Jahreszeiten ergeben sich immer neue interessante Perspektiven für den Betrachter.

 

Roland Mayer März 2005