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"Baumtrog" von Roland Mayer

realisiert im Rahmen von chiemseeart am Gewerbegebiet Natzing, Gemeinde Eggstätt.

 

1954 in Burghausen geboren hat sich Roland Mayer nach seiner Bildhauerausbildung kontinuierlich der Skulptur aus unterschiedlichsten Materialien gewidmet. Schwerpunkt ist für Roland Mayer der Dialograum, d.h. die Skulptur findet erst ihre Aussage und Bedeutung durch das Zusammenspiel der natürlichen oder architektonischen Umgebung und dem künstlichen skulpturalen Eingriff. Seit über 25 Jahren arbeitet Roland Mayer an der Form und ihrer Aussage auf internationalen Symposien in China, Korea, USA, Türkei, Spanien, Australien, Vereinigte Arabische Emirate. Durch seine Reisetätigkeit und die völlig unterschiedlichen Bedingungen die jeder Ort vorgibt, verfügt Roland Mayer über eine beeindruckende künstlerische und materielle Beweglichkeit. So entstanden z.B. in China eine 14 m lange und 3 m hohe Großskulptur aus mehreren Tonnen schwerem Granit, aus Metallabfällen einer Schiffswerft eine 14 m hohe Installation (Katzow) oder aus Ästen feinsinnig, sensible und meist begehbare Naturräume in Schwabach, Südkorea und Kalifornien.  

Erst im Frühjahr realisierte Roland Mayer seine Großskulptur „Aus dem Vollen schöpfen“ im Kurpark der Gemeinde Seeon-Seebruck. Kurz darauf ergab sich die Möglichkeit, im Rahmen des Fossil Erweiterungsbaus am Gewerbegebiet Natzing, eine Großskulptur zu realisieren, von chiemseeart organisiert.

Dieses Projekt ist beispielhaft dafür wie chiemseeart für die Region eine Art Kompetenzzentrum sein kann, wenn wie z.B. hier im Rahmen von Baumaßnahmen zeitgenössische Kunst realisiert werden kann. Dieses Projekt wurde nicht aus der chiemseeart Kasse finanziert, aber es wurde von chiemseeart organisiert und wird ein Kunstwerk im Rahmen des entstehenden chiemseeart Parcours durch die sieben Gemeinden sein. Ohne den Impuls, der durch die Realisierung der verschiedenen Arbeiten in den sieben Gemeinden im letzten Jahr von chiemseeart ausgegangen ist, wäre hier vermutlich keinerlei Kunst entstanden. Ich danke im Namen von chiemseeart Herrn Stefan Beer, Bürgermeister von Eggstätt und Geschäftsfüher der Leader+ Gemeinschaft Eggstätter Seenplatte, für sein Engagement für die chiemseeart Idee und auch unserem Künstler Roland Mayer, ohne dessen bildhauerisches und auch handwerkliches Geschick es nicht möglich gewesen wäre, in dieser kurzen Zeit ein solch monumentales Werk zu planen, zu bauen und zu installieren.

Der Baumtrog

 

Wieder hat Roland Mayer eine hier kulturell verankerte Form ins Monumentale vergrößert. Ein Blumenkasten ist ein menschlich hergestelltes Behältnis um Erde zu fassen und darin unseren ästhetischen Vorstellungen entsprechend Pflanzungen dauerhaft vornehmen zu können. Zum einen verschönern wir damit unseren Lebensraum, zum anderen zeigen wir damit unseren Wohlstand, beeindrucken unsere Nachbarn. Wir zeigen damit unsere liebevolle Beziehung zu unserer Kulturlandschaft und zur Natur, weil wir uns mit domestizierter Natur umgeben. Roland Mayer greift dieses Brauchtum zur Verschönerung unseres Lebensraumes auf und baut aus knapp 3 Tonnen Stahl einen zehn Meter langen und zwei Meter breiten Blumenkasten und nennt diesen dann Baumtrog. Er installiert diesen Eisenkasten auf diesem Lärm- und/oder Sichtschutzwall. Je nachdem auf welcher Seite des Walles man sich gerade befindet, hört man und/oder sieht man das Geschehen auf der anderen Seite nicht. Er stellt diesen Blumenkasten bzw. diesen Baumtrog auf einen Sockel. Mit einer Blumenpracht hätte man nun diesen überdimensionalen Kasten bepflanzen können, um vom Gewerbegebiet und diesem Erdwall abzulenken. Roland Mayer aber lenkt nicht ab, er lenkt den Blick auf die Größenverhältnisse unserer Lebensumstände. Wir leben nicht mehr ausschließlich in einer bäuerlichen Region mit kleinen regionalen Handwerksbetrieben, sondern eben auch in unserer globalisierten Welt. Eggstätt und auch das Gewerbegebiet Natzing sind keine autarken Räume, sondern sind Teil des gesamten Wirtschaftsgeschehens, oft nicht mehr ortsgebunden. Der Baumtrog von Roland Mayer thront über diesem vor und hinter dem Wall, er wird zum verbindenden Element beider Seiten. Im Gewerbegebiet werden Werkhallen in den Naturraum gebaut, verschlossen ihrem Zweck dienend. Der Baumtrog aus Metall greift die Form der wie Kästen in der Landschaft stehenden Hallen auf. Aber nach oben offen wie ein Blumenkasten wird der Baumtrog zum neuen künstlich geschaffenen Naturraum. Ahornbäume, die vorher schon auf diesem Gelände wuchsen, haben einen exponierten Platz bekommen. Sie stehen erhöht für jeden sichtbar, wie auf einem Sockel, erhaben über die Straße und erhaben über das Gewerbegebiet. Die im Trog gepflanzten Bäume aber haben Ihren Schutz verloren. Durch diesen besonderen herausragenden Standpunkt müssen die drei Ahornbäume mit allen natürlichen Widrigkeiten allein zurecht kommen. Kein Windschatten des Waldes mehr, der ihr Wachstum behütet.

Der Baumtrog ist ein Denkmal im klassischen Sinne, auf einem Sockel stehend, aus Metall Jahrzehnte überdauernd – aber ganz oben kein Reiterstandbild oder ein Heiliger die es zu verehren gilt -  sondern drei Ahornbäume. Drei Bäume, die sich verändern und wachsen werden. Keine starre Geste wie bei einem Denkmal, das einer Heldenverehrung dient. Nein, ein lebendiges Denkmal in einer lebendigen Landschaft, gewachsen aus einer lebendigen Natur.

 

Also doch ein Heldendenkmal – für einen Held, der nicht verehrt werden will, sondern Respekt und Achtung verlangt wie jedes Leben, das sich seiner Verletzlichkeit nicht schämt, das sich verwundbar zeigt und die eigene Verantwortung trägt.

 

Andreas Pytlik, 19. November 2005

 

Der Baumtrog wurde realisiert mit Unterstützung von