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Zu einer Diskussion in Wasserburg am Inn, im September 2006.

Schön, dass in Wasserburg so oft und leidenschaftlich über Kunst diskutiert wird.

Schade, dass wohl nicht über den Sinn und die Außenwirkung von solchen Plätzen innerhalb von Verkehrskreiseln diskutiert wurde. Diese Plätze entstehen seit Jahren allerorts, sind nutzlos, da nicht begeh- oder bebaubar. So sehen sie dann meist auch aus, unmotiviert bepflanzt mit Bäumen und/oder Blumen. Wappen werden gerne auf vielfältigste Art und Weise gestalterisch umgesetzt. Felsbrocken dort zu deponieren hat den großen Vorteil niedriger Folgekosten. Auch die künstlerische Ader örtlicher Handwerker wird oft genutzt um diese wirtschaftlich unliebsamen Plätze besonders hervorzuheben. Stiefmütterlich kann man diese nahezu allerorts übliche Gestaltungsnot bezeichnen.

Diese in letzter Zeit entstehenden Plätze sind aber imagebildend, sie sind immer zentral gelegen. Häufig am Ortseingang bieten diese Plätze Möglichkeiten Gäste in ungewöhnlicher Weise zu empfangen. Früher wurden solche Plätze, die es nur in größeren Städten gab, mit Obelisken, Reiterstandbildern oder ähnlichem bedacht. Auf jeden Fall wurden sie in Szene gesetzt, beeindruckend und monumental. Man erinnert und orientiert sich daran und genau das sollten solche Kreiselplätze leisten. Unverwechselbar sollten sie sein, mutig und überraschend.

Zeitgenössische Kunst kann das leisten, aktuelle Skulpturen und Monumente schaffen, die den jeweiligen Platz unverwechselbar und einzigartig machen – erinnerungswürdig.

Ich stimme zu, dass eine Ausschreibung der richtige Weg wäre, mit einer fachkompetenten Jury. Eine solche Ausschreibung muss von Anfang an mitlaufen, mindestens 2 Jahre braucht man als Vorlaufzeit. Ein Budget muss von Anfang an eingeplant werden. Will man gute und ausgearbeitete Vorschläge, muss diese Arbeit mindestens ab dem zweiten Jurydurchgang honoriert werden. Ein solches Vorgehen ist lohnend, aber für die jetzt besprochene Situation schlichtweg zu spät und wesentlich teurer.

Für die Entscheidung am Donnerstag bitte ich alle Beteiligten sich an die märchenhafte Freude, die die „rostige Kugel“ im letzten Jahr im Rahmen der Grossen Kunstausstellung des AK68 auf dem Marienplatz erzeugt hat, zu erinnern. In der Folge wurde diese Kugel in der Maximilianstrasse vor der Regierung von Oberbayern ausgestellt, dieselbe Resonanz, an einer vielbefahrenen Straße mitten in der Landeshauptstadt München. Natürlich braucht manche Kunst Ruhe um wahrgenommen zu werden, die großen Kugeln von Ute Lechner und Hans Thurner aber haben bewiesen, gerade inmitten von Hektik und Trubel einen Punkt zu markieren, ein einfaches deutliches Zeichen zu hinterlassen. Ein märchenhafter Impuls inmitten eines Verkehrskreisels am Eingang zu Wasserburg. Möglich aus der Verbundenheit beider Künstler zu Wasserburg. Ein Glücksfall.

Die Kugeln werden jedem Passanten in Erinnerung bleiben – Erinnerungen an Wasserburg am Inn.

 

Andreas Pytlik